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Bericht vom 22. Februar 2001


Behindertenausweis des Toten auf dem eigenen Auto

Witwe zeigt den Bestatter an

Düsseldorf (RP). Die Polizei ermittelt wegen Missbrauch von Ausweispapieren gegen den Düsseldorfer Beerdigungsunternehmer Scheuvens. In einem auf seine Firma zugelassenen BMW hat ein Verkehrspolizist den Behindertenaus- weis eines Toten entdeckt: Vor einem Jahr hatte Scheuvens die Trauerfeier für Walter Pesch ausgerichtet, für Witwe Barbara alle Formalitäten erledigt.

Seit am 7. Februar Polizisten bei ihr klingelten und nach dem Ausweis fragten, fühlt sie sich betrogen. Der Bestatter erklärt, er wisse von nichts. "Ich habe Strafanzeige erstattet", sagt die Mutter von Rockstar Doro Pesch bitter. "Ich habe in blindem Vertrauen damals alle Dokumente und Papiere abgegeben - und nie daran gedacht, dass sie dort missbraucht würden."

Nach einem Todesfall sind etliche Behördenangelegenheiten nötig, die die Angehö- rigen oft überfordern. "Wir übernehmen dann Dinge wie die Abmeldung beim Standes- amt, die Ausstellung der Urkunden und Ähnliches", erklärt Bestatter Jürgen Salm. Dazu gehört auch, Personalpapiere den zuständigen Ämtern zurück zu geben, wenn die Familie sie nicht als Erinnerung behalten möchte.

"Dass solche Papiere beim Bestattungsunternehmen bleiben, gibt es eigentlich nicht." "Das darf es auch nicht geben", sagt Christiane Kamp, Vorsitzende des Vereins Düsseldorfer Bestattungsunternehmen. "Wenn die Vorwürfe berechtigt sind, werden wir als Verband eine Abmahnung gegen das Unternehmen prüfen."

Vor zwei Wochen war einem Polizisten auf der Kö der BMW auf einem Behinderten- parkplatz aufgefallen. Auf dem Ausweis stand der Name Walter Pesch, doch am Steuer saß eine Frau. Und die Personalienüberprüfung brachte schnell ans Tageslicht, dass der Ausweis eigentlich längst beim Versorgungsamt der Stadt hätte zurück gegeben werden müssen. Die Polizei fragte Barbara Pesch nach dem Hintergrund.

Schlimme Erinnerungen wurden wach. "Wir hatten Jahre lang darum gekämpft, dass mein Mann diesen Ausweis bekommt. Als er ihn endlich hatte, war er schon so krank, dass er kaum noch aus dem Haus konnte," erzählt sie traurig. "Dass dieses Papier jetzt ein Anderer benutzt, um Geld für's Parken zu sparen, ist gemein." Möglicherweise auch eine Straftat: Polizeisprecherin Susanna Deeken-Heusgen bestätigte gestern, dass wegen Dokumentenmissbrauchs und Unterschlagung gegen das Unternehmen ermittelt werde.

Bestatter Scheuvens sagte der RP dagegen: "Ich weiß von keinem Verfahren gegen mich. Polizei und Staatsanwaltschaft haben sich nie bei mir gemeldet." Er wisse auch nicht, ob der Behindertenausweis von Walter Pesch sich in einem seiner Autos befinde. "Normalerweise geben wir so was dem Amt zurück. Damit kann doch keiner etwas anfangen." Scheuvens, der jetzt versuchen will, die "sehr unschöne Sache" im eigenen Haus zu "klären", sagte auch: "Sollte das so gewesen sein, tut es mir leid."

Sollte es so gewesen sein, wird auch das Ordnungsamt tätig werden. Leiter Wolfgang Tolkmitt: "Wenn es zu einer Verurteilung kommt, prüfen wir die Zuverlässigkeit des Unternehmens." Schlimmstenfalls drohe dann der Entzug der Gewerbeerlaubnis.

Für Barbara und Doro Pesch, die sich in ihrer Trauer um Ehemann und Vater ausge- nutzt fühlen, kein Trost.

Von STEFANI GEILHAUSEN 


Und hier die Fortsetzung des Berichts:

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Bericht vom 24. Februar 2001


Jetzt kommen mehr Vorwürfe ans Tageslicht

Ermittlungen gegen Bestatter

Düsseldorf (RP). Lieblose Blumen auf dem Sarg, ein falscher Name auf der Kranzschleife, eine dubiose Unterschrift unter einer Vollmacht - die Vorwürfe gegen das Bestattungsunternehmen Scheuvens mehren sich, seit bekannt wurde, dass die Polizei gegen die Inhaber, zwei Brüder, ermittelt, weil der Schwerbehindertenausweis eines vor einem Jahr Verstorbenen im Firmen- BMW lag.

Ermittlungsverfahren dürften den Brüdern nicht neu sein - vor einem Jahr wurden sie vom Düsseldorfer Zivilgericht verurteilt, zwei Strafverfahren wurden gegen Geldbußen eingestellt. Ingrid Kohlhoff war erschüttert, als sie aus der RP vom Ermittlungsverfahren gegen Scheuvens erfuhr.

1995 hatte sie dem Institut die Beerdigung ihrer Schwiegermutter anvertraut. "Erst machte er sich über ihren Mädchennamen lustig, dann beauftragte er einen anderen Steinmetz als den von uns bestimmten, gab uns das Stammbuch erst nach langem Drängen zurück", erinnert sie sich. Sie schrieb dem früheren Firmenchef, dem Vater der heute geschäftsführenden Brüder, einen bitteren Brief. Der antwortete: "Ich hatte ein sehr ernstes Gespräch mit meinem Sohn. Ich kann Sie nur um Entschuldigung bitten." Die 313 Mark, um die Kohlhoffs die Rechnung reduzierten, weil "die Blumen auf dem Sarg so billig aussahen, dass wir uns schämten", hat das Unternehmen anstandslos akzeptiert.

Anders vor einem Jahr. Da musste erst eine Zivilrichterin entscheiden, dass Scheuvens die Rechnung um ein Fünftel reduzieren musste. Grund: Auf dem Kranz für die verstorbene Mutter stand ein falscher Name. Ein Fehler, der "wegen der Einmaligkeit der Handlung nicht ausgeräumt werden" könne, hieß es im Urteil.

Der Fall von Benno R. kam nie vor Gericht: Er hatte sich vergangenen Sommer gewundert, dass die Krankenkasse das Sterbegeld für die verstorbene Tante nicht überwies und dort nachgefragt. Verblüfft erfuhr er: Das Geld sei an Bestatter Scheuvens bereits überwiesen, er selbst habe die Vollmacht unterzeichnet. Die Voll- macht war mit einem unlesbaren Kringel gezeichnet, der R.s Unterschrift nicht einmal ähnelt. R. hatte auf eine Anzeige verzichtet.

Karin Kerkhoff klagte schon 1995: Ihr Mann war nicht, wie von ihr gewünscht, in einem anonymen Sammelgrab in Stoffeln beigesetzt worden. "Ohne mein Wissen wurde er in Holland eingeäschert und die Asche dort verstreut - obwohl ich bei Scheuvens für 20 Jahre die Grabpflege bezahlt hatte." Sie zeigte den Unternehmer an. Die Staats- anwaltschaft erklärte, dass "hinreichender Tatverdacht besteht", stellte das Verfahren ein, nachdem Scheuvens eine Geldbuße von 1000 Mark zahlte. In einem weiteren Fall soll er für eine Seebestattung kassiert haben - und die Totenasche ebenfalls in Holland verstreuen lassen haben. Auch dieses Verfahren wurde eingestellt.

Das Ordnungsamt bestätigte gestern auf Anfrage, dass die Prüfung der Gewerbeerlaubnis Scheuvens auch "Ereignisse aus der Vergangenheit" berücksichtige. "Wir ermitteln parallel zum laufenden Verfahren", sagte ein Mitarbeiter.

Von Stefani Geilhausen

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