Seit am 7. Februar Polizisten bei ihr klingelten und nach dem Ausweis fragten, fühlt sie sich betrogen. Der Bestatter erklärt, er wisse von nichts. "Ich habe Strafanzeige erstattet", sagt die Mutter von Rockstar Doro Pesch bitter. "Ich habe in
blindem Vertrauen damals alle Dokumente und Papiere abgegeben - und nie daran gedacht, dass sie dort missbraucht würden."
Nach einem Todesfall sind etliche Behördenangelegenheiten nötig, die die Angehö- rigen oft überfordern. "Wir übernehmen dann Dinge wie die Abmeldung beim Standes- amt, die Ausstellung der Urkunden und Ähnliches", erklärt Bestatter Jürgen Salm. Dazu gehört auch, Personalpapiere den zuständigen Ämtern zurück zu geben, wenn die Familie sie nicht als
Erinnerung behalten möchte.
"Dass solche Papiere beim Bestattungsunternehmen bleiben, gibt es eigentlich nicht." "Das darf es auch nicht geben", sagt Christiane Kamp, Vorsitzende des Vereins Düsseldorfer Bestattungsunternehmen. "Wenn die Vorwürfe berechtigt sind, werden wir als Verband eine Abmahnung gegen das Unternehmen prüfen."
Vor zwei Wochen war einem Polizisten auf der Kö der BMW auf einem Behinderten- parkplatz aufgefallen. Auf dem Ausweis stand der
Name Walter Pesch, doch am Steuer saß eine Frau. Und die Personalienüberprüfung brachte schnell ans Tageslicht, dass der Ausweis eigentlich längst beim Versorgungsamt der Stadt hätte zurück gegeben werden müssen. Die Polizei fragte Barbara Pesch nach dem Hintergrund.
Schlimme Erinnerungen wurden wach. "Wir hatten Jahre lang darum gekämpft, dass mein Mann diesen Ausweis bekommt. Als er ihn endlich hatte, war er schon so krank, dass er kaum noch aus dem Haus konnte," erzählt sie
traurig. "Dass dieses Papier jetzt ein Anderer benutzt, um Geld für's Parken zu sparen, ist gemein." Möglicherweise auch eine Straftat: Polizeisprecherin Susanna Deeken-Heusgen bestätigte gestern, dass wegen Dokumentenmissbrauchs und Unterschlagung gegen das Unternehmen ermittelt werde.
Bestatter Scheuvens sagte der RP dagegen: "Ich weiß von keinem Verfahren gegen mich. Polizei und Staatsanwaltschaft haben sich nie bei mir gemeldet." Er wisse auch nicht, ob der
Behindertenausweis von Walter Pesch sich in einem seiner Autos befinde. "Normalerweise geben wir so was dem Amt zurück. Damit kann doch keiner etwas anfangen." Scheuvens, der jetzt versuchen will, die "sehr unschöne Sache" im eigenen Haus zu "klären", sagte auch: "Sollte das so gewesen sein, tut es mir leid."
Sollte es so gewesen sein, wird auch das Ordnungsamt tätig werden. Leiter Wolfgang Tolkmitt: "Wenn es zu einer Verurteilung kommt, prüfen
wir die Zuverlässigkeit des Unternehmens." Schlimmstenfalls drohe dann der Entzug der Gewerbeerlaubnis.
Für Barbara und Doro Pesch, die sich in ihrer Trauer um Ehemann und Vater ausge- nutzt fühlen, kein Trost.
Von STEFANI GEILHAUSEN